Bad Taste
(Bad Taste)
Neuseeland (1984-)1987, 90 Minuten
Regie: Peter Jackson

Drehbuch: Peter Jackson, Tony Hiles, Ken Hammon
Musik: Michelle Scullion
Director of Photography: Peter Jackson
Montage: Peter Jackson, Jamie Selkirk

Darsteller: Peter Jackson (Derek / Robert), Craig Smith (Giles), Pete O’Herne (Barry), Mike Minett (Frank), Terry Potter (Ozzy), Doug Wren (Anführer der Aliens), Dean Lawrie (Alien-Führer SPFX Double), Ken Hammon, Robin Griggs, Michael Gooch, Peter Gooch, Laurie Yarrall, Shane Yarrall, Philip Lamey (Alien 3. Klasse)

Guter schlechter Geschmack

Lange bevor Peter Jackson auch nur davon geträumt haben mag, den „Herrn der Ringe“ auf die Leinwand zu bringen, inszenierte er wohl den geschmacklosesten Horrorfilm aller Zeiten. „Bad Taste“, das steht für den schlechten Geschmack in vielerlei Hinsicht. Gliedmaßen wirbeln durch die Gegend, Gedärme, Blut und ein partiell aufgeklappter Hinterkopf verunstalten die Leinwand, der ausgekotzte grüne Schleim eines Alien wird für seine Landsleute zur Delikatesse, zur Vorspeise des am folgenden Tag in Aussicht gestellten menschlichen Bratens, und eine Truppe (noch nicht) ausgekochter menschlicher Alien-Fighter schießt sich durch die Leiber der extraterrestrischen Eindringlinge. Dabei bezieht sich schlechter Geschmack aber auch auf die Mentalität, nicht nur der Aliens in Menschengestalt, sondern auch auf diejenige des „Astro Invasion Defence Service“ (A.I.D.S.). Viren bekämpfen Viren vice versa. Eineinhalb Stunden im wahrsten Sinn des Wortes – zum Kotzen, aber vor allem zum Lachen. Ein Amüsement, das nicht jedem und jeder liegt.

„Bad Taste“ ist in jeder Hinsicht minimalistisch. Das mag paradox klingen. Aber die Geschichte ist so simpel wie das Urgestein jedes Horrorstreifens in Verbindung mit Sciencefiction-Motiven: Außerirdische unter Leitung des schon etwas älteren, in Menschengestalt ganz nett aussehenden Führers (Doug Wren) haben entdeckt, dass Menschenfleisch genau ihren Bedürfnissen entspricht. Sie befinden sich auf Nahrungssuche und haben in Neuseeland, dem Land der Kiwis und Neuseeländer, vollen Erfolg. Die Mitglieder des Sondereinsatzkommandos of her Majesty, A.I.D.S., können endlich ihrer Langeweile entgehen und begeben sich in den Kampf mit den Aliens. Derek (Peter Jackson) hat bereits einen der Menschenfresser gefangen genommen: Robert (ebenfalls Peter Jackson), der an einem Seil, Kopf abwärts, an der Steilküste herunter hängt und von Derek malträtiert wird (Jackson schindet Jackson!). Das Anti-Alien-Kommando besteht ferner aus dem Waffennarr Frank (Mike Minett), Barry (Pete O’Herne) und Ozzie (Terry Potter). Derek, der sich mit Barry über Funk verständigt, bekommt arge Probleme, als die Alien-Kollegen Roberts Jagd auf ihn machen und er die Steilküste hinabstürzt. Von nun an muss er mit aufgeklapptem Schädel durch die Gegend laufen, ein nicht ganz leichtes Unterfangen, weil er laufend an Gehirnmasse verliert und seinen Kopf mit einem Gürtel zusammenhalten muss.

Als ein Schuldeneintreiber (Craig Smith) in das bereits entvölkerte Kaff kommt – die Aliens haben die Einwohner portionsweise und entfettet bereits in Kisten verpackt –, wird er gefangengesetzt und in den Kopftopf verfrachtet. Derek und die anderen entdecken die Aliens in einem Haus. Der Kampf kann beginnen – und der Spaß auch.

Minimalistisch ist aber nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch Figuren und Ausstattung. „Bad Taste“ könnte der billigste Horrorstreifen aller Zeiten gewesen sein. Man besorge sich im Schlachthof einige Gedärme, benutze ein paar hübsch-hässlich gestaltete Alien-Masken aus Gummi, ein altes Auto und ein bisschen Feuerwerk – und fertig ist der Film. Ein besonderes Bonmot: Potter, O’Herne, Smith, Minett und Jackson spielen Doppelrollen als Ozzy, Barry, Giles, Frank und Derek und als Aliens.

Jackson packt das Genre bei den Hörnern. „Wenn es euch ernst ist, dann seht her, was ihr wirklich ernst meint“, scheint er zu sagen, und wenn man Ernsthaftigkeit ernst nimmt, was soll dabei anderes herauskommen als Humor? Mit der spartanischen Ausstattung und der reduzierten Story erreicht Jackson darüber hinaus aber noch anderes. Er zeigt – so blutig, schleimig und eklig der Film auch sein mag –, was Film und was Wirklichkeit ist. Wenn man das Genre auf seine Essentials zurückführt, kann man mit einfachsten Mitteln zeigen, was Fiktion ist.

Die Aliens sehen – bis auf die letzten Minuten – aus wie du und ich. Sie verhalten sich kaum anders als ihre menschlichen Gegner – mit dem Unterschied, dass sie einige von ihnen als Speise verpackt haben, die armen Hungrigen. Die A.I.D.S.-Truppe verhält sich so, als ob sie lediglich ein paar Jugendliche davon abhalten wollten, einen Bruch zu begehen. Die außerirdische Gefahr reduziert sich auf diese Weise zu einem Spaziergang von Derek & Co., allerdings mit Waffen.

Im Rückblick auf den Film erweisen sich die Aliens eher als menschliche Erfindung, denn als reale Möglichkeit. Besonders deutlich wird dies, als Giles im Kochtopf landet, mit einem Apfel im Mund, der durch Klebeband festgehalten wird. Unwillkürlich denkt man an die abstrusen Kannibalen-Bilder, wie sie zum Beispiel in Stummfilmen gerne gezeigt wurden. Als Derek den letzten, im Raumschiff (das Raumschiff ist das Haus, in dem die Aliens ihr Unwesen treiben) flüchtenden Alien aufschlitzt, fällt er von oben durch den Außerirdischen hindurch, und als er unten wieder herauskommt, sagt er beglückt: „Ich bin wiedergeboren.“

Wer einen solchen Spaß mag und vertragen kann, sollte sich ruhig zurücklehnen und ihn genießen. Ich habe jedenfalls meinen Spaß gehabt.