Haus über Kopf – Betreten auf eigene Gefahr
(Bringing Down the House)
USA 2003, 105 Minuten
Regie: Adam Shankman

Drehbuch: Jason Filardi
Musik: Lalo Schifrin
Director of Photography: Julio Macat
Montage: Jerry Greenberg
Produktionsdesign: Linda DeScenna, Jim Nedza

Darsteller: Steve Martin (Peter Sanderson), Queen Latifah (Charlene Morton), Eugene Levy (Howie Rottman), Joan Plowright (Mrs. Arness), Jean Smart (Kate), Kimberley J. Brown (Sarah Sanderson), Angus T. Jones (Georgey Sanderson), Missi Pyle (Ashley), Michael Rosenbaum (Todd Gendler), Betty White (Mrs. Kline), Jim Haynie (Ed Tobias), Aengus James (Mike), Steve Harris (Widow)

Eine Queen auf Hochtouren

Ich kann nicht gerade behaupten, ein Freund der Filme Steve Martins zu sein. Auch Regisseur Adam Shankman lieferte bisher eher durchschnittliche bis magere Kost, „Wedding Planner“ (2001) mit Jennifer Lopez und „Nur mit Dir“ („A Walk To Remember“, 2002), ein süßlich-heiles Drama zwischen puritanisch-biblischer Reinheit und Bekehrungszauber aus der Welt einer Jugend, die es nur im Film gibt. Jetzt führte Shankman Martin und die Königin aller Königinnen Queen Latifah zusammen – und das funktioniert.

Peter Sanderson (Steve Martin) ist Anwalt in einer Großkanzlei. Sanderson ist konservativ, aber political correct. Nein, er hat nichts gegen Nicht-Weiße – solange sein durch die Scheidung von seiner Frau Kate (Jean Smart) und die Trennung von seinen Kindern doch erheblich getrübtes Leben zwischen Country-Club, reicher Mandantschaft, lupenreiner Vorstadtidylle und der üblichen Konkurrenz zwischen den Anwälten in der honorigen Kanzlei nicht von lebendigen Nicht-Weißen gestört wird. Zumal er zu Hause unter Überwachung steht. Dafür sorgt die Nachbarin Mrs. Kline (Betty White), die beim Rosenschneiden immer mehr als ein Auge auf den smarten Sanderson wirft. Der fühlt sich allein und lernt in einem Chatroom eine vermeintliche (weiße) Kollegin kennen, die sich jedoch schon bald als pfundiges schwarzes Vollblutweib herausstellt.

Charlene (Queen Latifah) ist weder Anwältin, noch selbiger geforderter weißer Hautfarbe. Nicht nur das: Sie war im Knast wegen bewaffnetem Raubüberfall und will Sanderson dazu bringen, ihren Fall wieder vor Gericht zu bringen. Charlene ist unschuldig, behauptet sie. Und eines schönen Tages kommt es zur Verabredung. Noch ahnt Sanderson nichts von der wahren Identität seiner „Kollegin“, bereitet ein Dinner bei Kerzenschein und romantischer Musik vor – und fällt aus allen political-correct-Wolken, als die üppige Dame vor der Tür steht.

Mit einem allerdings hat Sanderson nicht gerechnet. Die Dame ist nicht nur aufdringlich, sondern auch gerissen: Sie gibt nicht auf und lässt sich nicht einfach abservieren. Das selbst gezimmerte Image der weißen Vorstadt ist ihr schnurzpiepegal, und auch sprachlich lässt sie daran keinen Zweifel.

Sanderson kommt aber erst so richtig ins Schwitzen, als ihm seine Ex-Schwägerin Ashley (Missi Pyle), die nichts anderes im Kopf hat, als dem Tode nahe reiche Pensionäre auszunehmen, und die potentielle reiche Klientin Mrs. Arness (Joan Plowright) – ausgestattet mit fettem Hund samt Halskrause und dem Namen „William Shakespeare“, der am Tisch mitessen darf – kräftig zusetzen. Zunächst versucht Sanderson, Charlene zu verbergen, mit Geld los zu werden, um dann feststellen zu müssen, dass er der selbstbewussten Lady eine offizielle Rolle zuweisen muss, um nicht zwischen die Räder zu geraten. Charlene wird zur Nanny seiner Kinder erklärt, die Sanderson gerade ein paar Tage besuchen.

All das jedoch nützt wenig: Charlene kloppt sich mit der fiesen Ashley, bei einem Dinner für Mrs. Arness stimmt die einen Sklavensong an – und dann verliebt sich auch noch Sandersons Kollege Howie (Eugene Levy) in Charlene. Job in Gefahr, Ansehen in Gefahr, keine Chance, Kate jemals wieder zu gewinnen. Mit einem hat Sanderson allerdings auch nicht gerechnet: Charlene hat – Ghettoslang hin oder her – das Herz auf dem rechten Fleck ...

Die Chemie stimmt. Steve Martin und Queen Latifah liefern eine saubere Leistung, nicht nur was die bestechende Komik des Films angeht. Eugen Levy als Hals-über-Kopf-Verliebter, der sich in Sprache, Aussehen und Verhalten zunehmend der Begehrten anpasst, Joan Plowright als reiche Südstaatlerin, die am Schluss eines besseren belehrt wird, und Missi Pyle als zickige Schwägerin mit Kampfausbildung tun ein übriges, um die flotte Komödie zum Erfolg zu führen. Die meisten Pluspunkte sammelt aber die Queen, die nach ihrem grandiosen Auftritt in „Chicago“ abermals unter Beweis stellt, dass sie schauspielern kann. Sie wirkt derart natürlich charmant und witzig, dass es eine Freude ist.

Die weiße Oberschicht bekommt in „Bringing Down the House“ ordentlich ihr Fett weg – allerdings nicht auf böswillig-erniedrigende Art, was der Geschichte sehr gut tut. Die oberflächliche political-correctness-Schiene, hinter der sich ein unverblümter Rassismus verbirgt, wird durch die Queen in selten gesehener Selbstverständlichkeit entlarvt und deren Protagonisten kalt gestellt. Sanderson muss nicht nur erkennen, dass er gegen Charlene keine Chance hat; beide werden Freunde – und die selbstbewusste Lady zeigt dem verkorksten Anwalt, wo’s lang geht, z.B. wie er seine Frau Kate zurückgewinnen kann. Sanderson bekommt eine Lektion in punkto: Wie verführe ich meine Frau, und darf Charlene mal so richtig anfassen. Die bringt Leben in sein Leben, und schließlich ihn sogar dazu, in Szene-Verkleidung und mit entsprechendem Slang in eine Schwarzen-Kneipe einzutauchen, um den vermeintlich wirklich Schuldigen am Banküberfall dingfest zu machen.

Der „Kulturschock“ ist perfekt. Charlene rüttelt und schüttelt die elitäre Vorstadt-Idylle und vor allem Sandersons Leben so richtig durcheinander – mit Erfolg für (fast) alle Beteiligten und den Film.

Schwungvoll, herzhaft, satirisch, bissig, komisch. What else do you want?