Stirb langsam
(Die Hard)
USA 1988, 131 Minuten
Regie: John McTiernan

Drehbuch: Jeb Stuart, nach dem Roman von Roderick Thorp
Musik: Michael Kamen
Director of Photography: Jan de Bont
Montage: John F. Fink, Frank J. Urioste
Produktionsdesign: Jackson de Govia, John R. Jensen, Philip Leonard

Darsteller: Bruce Willis (John McClane), Bonnie Bedelia (Holly Gennaro McClane), Reginald VelJohnson (Sgt. Al Powell), Alan Rickman (Hans Gruber), Paul Gleason (Dwayne T. Robinson), De’voreaux White (Argyle), William Atherton (Thornburg), Hart Bochner (Ellis), James Shigeta (Takagi), Alexander Godunov (Karl), Bruno Doyon (Franco), Andreas Wisniewski (Tony), Clarence Gilyard (Theo), Joey Plewa (Alexander), Lorenzo Caccialanza (Marco)

Amerika, Weihnachten und der Terror

Emergency radio operator:
„Attention, whoever you are,
this line is reserved for
emergencies only.“
McClane: „No fucking shit,
lady! Do I sound like
I’m ordering a pizza?“

Ist „Die Hard“ der ultimative Action-Film der 80er Jahre? Es ließe sich bestimmt trefflich und lange über eine solche Aussage streiten. Jedenfalls war der Aufwand, insbesondere an Pyrotechnik, den John McTiernan und seine Crew für das Spektakel um den New Yorker Polizisten John McClane trieben, beträchtlich – gelinde gesagt. Bruce Willis durfte das tun, was er immer noch am besten kann: Rennen, Gejagtwerden und Jagen – mit zum Teil flotten Sprüchen, viel Blut, Schweiß und wenig Tränen, um – wie dann etwa noch besser in „Stirb langsam 2“ – seine Holly zu retten. Holly, Holly!, Yippi-Ki-Yay!!

McClane (Bruce Willis) ist unterwegs, um in Los Angeles Weihnachten zu feiern. Dort leben seine Frau Holly (Bonnie Bedelia) und seine Kinder. Holly arbeitet bei dem japanischen Konzern Nakatomi und lebt von John getrennt, weil der mit der Karriere seiner Frau Probleme hat. Firmenchef Takagi (James Shigeta) schickt ihm eine Limousine zum Flughafen, alles scheint seinen geregelten Gang zu gehen. Der Fahrer Argyle (De'voreaux White) schwätzt ihm die Hucke voll, während Holly und die anderen Beschäftigten im Nakatomi-Hochhaus eine Weihnachtsfeier abhalten.

Der deutsche Terrorist Hans Gruber (Alan Rickman) allerdings hat anderes im Sinn. Er und ein ausgesuchtes Team, zu dem u.a. der Computerspezialist Theo (Clarence Gilyard) und der blonde Hüne Karl (Alexander Godunov) gehören, wollen Nakatomi um 624 Mio. Dollar erleichtern. Dazu allerdings benötigen sie Zeit, um die strengen Sicherheitsvorkehrungen außer Kraft zu setzen. Sie nehmen Takagi und seine Angestellten als Geiseln, töten Takagi, als der sich weigert, ihnen entsprechende Informationen zu liefern, setzen einen der ihren als Pförtner in den Eingangsbereich und kappen jede mögliche Verbindung zur Außenwelt.

Mit einem allerdings hat Gruber nicht gerechnet: McClane. Der befindet sich gerade in einem Waschraum, als er – unbemerkt von den Terroristen – zusehen muss, wie Holly und die anderen als Geiseln festgesetzt werden. McClane kann in ein anderes Stockwerk gelangen, bringt sich in den Besitz eines Funksprechgeräts, das er einem der Terroristen entwenden kann, und mit großer Mühe – er wirft einen der von ihm getöteten Terroristen durch eine zerbrochene Fensterscheibe auf Powells Fahrzeug – gelingt es ihm, die Polizei in Gestalt des Streifenpolizisten Sergeant Powell (Reginald VelJohnson) auf sich aufmerksam zu machen.

Dessen Chef Robinson (Paul Gleason) allerdings hat nichts besseres zu tun, als frontal gegen die Terroristen vorzugehen ...

Es kracht an allen Ecken und Enden. Bruce Willis tut sein Bestes, um Holly und die anderen zu befreien. Die Jagdszenen im Hochhaus, das Feuerwerk im Fahrtstuhl etc. pp. – all das macht „Die Hard“ über weite Strecken zu einem spannenden Actionthriller, der insbesondere durch den Zweikampf zwischen dem – von Alan Rickman beeindruckend gespielten – hochintelligenten und skrupellosen Gruber und McClane, der anfangs auf verlorenem Posten zu stehen scheint, unseren Adrenalinspiegel versorgen kann. McClane muss sich einiges, und das schnell, einfallen lassen, um einerseits selbst zu überleben, zweitens Kontakt nach draußen zu bekommen und drittens eine Chance zu behalten, die Geiseln zu retten. Der Wettlauf zwischen den Terroristen, die an den Tresorraum kommen wollen, und McClane macht „Stirb langsam“ bis in die zweite Hälfte des Films hinein zu einem der besten Actionfilme der 80er Jahre.

Dann allerdings leistet sich McTiernan einen Patzer, der zum einen nicht nötig gewesen wäre, zum anderen der Handlung ein gutes Stück an Glaubwürdigkeit und Spannung nimmt. Er führt die Figur des L.A.P.D.-Officers Robinson ein, der sich dermaßen – ich muss das so bezeichnen – blödsinnig verhält wie wahrscheinlich kein anderer Polizist auf der Welt. Dass er daran zweifelt, dass McClane auch Polizist ist, ist noch sein geringstes Vergehen. Darüber allerdings hätte er sich schnell vergewissern können, zumal Powell hier schon Vorarbeit geleistet hatte. Dass er dann aber in einer selten dämlichen Aktion alles, was an Waffen zur Verfügung steht, gegen Gruber & Co. ins Feld führt, ohne auch nur die Spur eines intelligenten Gedanken zu verschwenden, lässt es zur Gewissheit werden, dass er lediglich eine Art Tölpel sein soll, der die Handlung an diesem Punkt vorwärtstreiben soll, in dem Robinsons Fehler und Unbedachtsamkeiten Powell und besonders McClane immer wieder dazu zwingen, sich neue Schritte auszudenken, die es an Intelligenz eben nicht mangeln lassen.

Ehrlich gesagt: Mich hat diese Figur Robinson wütend gemacht. Das sind Momente, in denen man am liebsten in den Film steigen würde, um diesem Treiben ein abruptes Ende zu bereiten.

Andererseits sind die special effects, Stuntszenen und Treibjagden in „Die Hard“ derart gut in Szene gesetzt, dass der Film auch in der zweiten Hälfte wieder Punkte machen kann – zumal die Charaktere McClane und Gruber durch Willis und Rickman ausgezeichnet aufeinander abgestimmt sind und McTiernan ihnen sehr viel Raum lässt.

Weihnachten und Terror – das passt nicht zusammen und tut es doch. Wenn „Die Hard“ der ultimative Actionfilm der 80er Jahre ist, dann vielleicht in dem Sinne, dass er die Ängste der in einer hochtechnisierten, risikobeladenen und reichen Gesellschaft Lebenden gerade zu einem Zeitpunkt artikuliert, in dem sie ihren Frieden mit sich selbst feiert. John McClane verkörpert eben auch den Glauben an die individuelle Kraft und Überlegenheit des einzelnen im Kampf für eine sich selbst genügsame und von sich selbst über alle Maßen überzeugte Gemeinschaft, die mit allem und jedem, was sie bedroht, fertig wird oder es jedenfalls glaubt – im Film auf eine höchst sympathische und stellenweise humorvolle Art und Weise. Japanische Konkurrenz und deutscher Terrorismus – das mögen Zufälle sein. Und dennoch sagen solche Zufälle mehr über den mentalen Zustand einer Gesellschaft und einer Epoche als manch anderes – auch, dass man über sich selbst irgendwo dann doch noch lachen kann.